Modell

Das SPMM – St. Galler Performance Management Modell beschreibt die Ausgestaltung des Steuerungssystems eines Unternehmens anhand eines Steuerungskreislaufes von fünf Managementprozessen sowie der systematischen Verbindung dieser Prozesse mit zehn Steuerungspraktiken. Ziel des Modells ist die Erzeugung eines agilen und flexiblen Steuerungssystems das konsequent auf die Ziele der Organisation ausgerichtet ist. Durch die systematische Integration von Managementprozessen und Steuerungspraktiken erzeugt das Modell einen Selbststeuerungsmechanismus. Die konkrete Ausgestaltung des Modells ist immer abhängig vom unternehmensinternen und -externen Kontext. Ziel ist dabei die Schaffung einer optimalen Balance zwischen Leistungsorientierung (Discipline & Stretch) - und Verhaltensorientierung (Support & Trust) durch die gezielte Beeinflussung des internen Kontextes.

 

Der Steuerungskreislauf gibt eine Struktur vor, die stark prozessual ausgerichtet ist und zwischen eher grundlegenden, systembildenden Prozessen (Prozesse 1 und 3) und eher operativen, systembetreibenden Prozessen (Prozesse 2 a/b/c) unterscheidet. Die operativen Prozesse (Prozesse 2 a/b/c) ist an den Plan-Do-Check-Act Prozess des Verbesserungsmanagements angelehnt, verkürzt diesen aber bewusst, um die stark auf Dezentralität und Selbststeuerung ausgelegte Logik zu verdeutlichen

Schritt 1 „Define & Engage“ beinhaltet die klare Definition des Unternehmenszwecks, den grundlegenden Werten und Verhaltensstandards sowie die Beschreibung der Strategie, der strategischen Ziele und des Geschäftsmodells. Das SPMM betont in diesem Schritt insbesondere die Bedeutung von Klarheit der Formulierung und Kommunikation sowie die hohe Relevanz von wert(e)orientierter Führung für die Motivation der Mitarbeiter.

 

Im Schritt 2a „Target & Plan“ werden die strategischen Ziele in detaillierte Teilziele für die nächsten Steuerungsstufen des Unternehmens heruntergebrochen. Dadurch erfolgt die Verknüpfung kurzfristiger operativer Ziele mit den langfristigen Zielen und eine Operationalisierung der Strategie in Massnahmenpläne. Im SPMM werden insbesondere die Klarheit der Verantwortlichkeiten, die Einbindung der Beteiligten im Zielsetzungsprozess und die Verwendung von relativen Zielen zur Steigerung der Flexibilität hervorgehoben.

 

Das Ziel des Prozessschrittes 2b „Execute & Adjust“ besteht in der Umsetzung der Schritte 1 und 2a. Dabei strebt das SPMM eine kontext-optimale Flexibilität im Ressourcenallokationsprozess an und überprüft auch das Ausmass der dezentralen Entscheidungsfähigkeit zur Steigerung der Anpassungsfähigkeit.

 

Der Schritt 2c „Review & Assess“ ist ebenfalls auf der operativen Leistungsebene einzuordnen und beschreibt den Prozess der Leistungsmessung und der Leistungsbeurteilung. Das SPMM strebt nach möglichst objektiver und ganzheitlicher Messung des Zielerreichungsgrades. Insbesondere wird die Balance zwischen finanziellen und nicht-finanziellen Messgrössen und Beurteilungsprozessen hinterfragt. Auch hier wird der relativen Messung und Beurteilung eine grosse Bedeutung beigemessen.

 

Der letzte wiederum strategische Schritt 3 „Align & Reward“ strebt eine optimale Verbindung der Leistungsbeurteilung mit dem Vergütungssystem an. Das SPMM betont auch die Notwendigkeit einer regelmässigen Überprüfung der Zweckmässigkeit des gesamten Steuerungssystems. Dabei soll so viel Selbstkontrolle und -steuerung wie möglich gefördert werden.

 

Die einzelnen Schritte des Steuerungskreislaufs und die dahinterliegenden Gestaltungsprinzipien werden im SPMM mit zehn zentralen Steuerungspraktiken systematisch verbunden, woraus sich ein konkretes Steuerungssystem für ein Unternehmen ableiten lässt. Übergeordnetes Designprinzip für die Ausgestaltung der Steuerungspraktiken ist dabei die Förderung von hoher Ambition bei gleichzeitiger Förderung von intrinsischer Motivation. Hinter der stichwortartigen Beschreibung der Steuerungspraktiken stehen in der Praxis erprobte und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen abgeglichene Designprinzipien bzw. konkrete Instrumente. Die Wirkung des Modells ergibt sich aus der systematischen Integration der Steuerungspraktiken mit dem Steuerungskreislauf, die zu einem konsistenten Gesamtdesign mit hoher Synergie führt. Die Steuerungspraktiken und der Steuerungskreislauf „operationalisieren“ somit die Strategie eines Unternehmens und reflektieren auch das Kulturverständnis. Gleichzeitig beeinflusst die Ausgestaltung auch die Entscheidungs- und Organisationstruktur eines Unternehmens. Damit wird deutlich, dass es sich um einen ganzheitlichen Steuerungsansatz mit hohem Wirkungspotenzial für die Effektivität und Effizienz der gesamten Organisation handelt.

 

Das SPMM erhebt nicht den Anspruch, in jeder Situation das „beste“ Steuerungssystem zu sein. In Forschung und Anwendung hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass bei kleinen Organisationen oder auch geringer Dynamik regelbasierte und personenzentrierte Führung ein sehr effektiver Weg der Steuerung sein kann. Bei einer Zunahme der Komplexität gehen die meisten Organisationen jedoch zu klassischen Steuerungssystemen über, die dem traditionellen command & control-Schema folgen, d.h. einer klaren Trennung von Anweisung und Ausführung. Bei einer weiteren Zunahme der (internen Organisation-) Komplexität und einem gleichzeitigen Anstieg der (externen Markt-) Dynamik wird die Trägheit derartiger Systeme immer mehr zu einem Leistungsverhinderer. Organisationen reagieren darauf typischerweise mit verschiedenen Versuchen, die Flexibilität des Steuerungssystems zu erhöhen – ändern aber nichts an dem grundlegenden Steuerungsparadigma. Das SPMM stellt hier einen Alternativentwurf dar und integriert bewusst Erkenntnisse aus der Verhaltenswissenschaft in das Design von finanziellen Steuerungspraktiken. Basierend auf der Erkenntnis „trust equals speed“ steht eine Vertrauenskultur im Mittelpunkt, die im Zusammenspiel mit speziellen Zielsetzungsmechanismen und dezentralen Steuerungspraktiken wesentlich flexibler und schneller ist. Damit kann das SPMM insbesondere bei hoher Komplexität und Dynamik eine erhebliche Wirkung entfalten und die Effektivität der Steuerung einer Organisation deutlich steigern. Die Anwendung des SPMM ist dabei nicht auf bestimmte Branchen oder Organisationsgrössen beschränkt. Seine Wirkung entfaltet sich erfahrungsgemäss jedoch vor allem bei Unternehmen ab mittlerer Grösse sowie bei Großunternehmen.